
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Familientherapie / -beratung und systemische Therapie?
Familientherapie heißt, Probleme zusammen mit der Familie zu verstehen und Lösungen mit Hilfe der Familie zu entwickeln und durchzuführen.
Systemische Therapie heißt , über die Familie hinaus schauen und zu verstehen, wie sich ein Problem entwickelt hat, mit welchen Handlungen es aufrecht erhalten wird und zu planen, welche Handlungen lösungswirksam sein werden.
Wie arbeitet ein Kinderpsychiater mit einer Familie?
Er bringt mit der Familie die Geschichte des Problems in Erfahrung, prüft die Stärken und Schwächen des vorgestellten Kindes. Er entdeckt, welche Lösungsteile durch die Familie geschehen können, welche Anregungen das Kind braucht und wie mit seiner Unterstützung gemeinsam den Schwierigkeiten begegnet werden kann.
…wenn es in der Familie um ADHS geht…
Was ist der Unterschied zwischen ADS und ADHS?
ADS heißt: Aufmerksamkeits-Defizit-Störung.
Die „einfache“ Aufmerksamkeitsstörung bezeichnet ein Verhalten, das durch mangelnde Aufmerksamkeitsleistungen charakterisiert ist, ohne dass ein Zuviel an Bewegung oder Bewegungsdrang zu beobachten ist. Die Kinder bleiben dann nicht bei der Sache und erscheinen als unkonzentriert oder träumerisch. In diesen Fällen ist dann zu klären, was denn die Aufmerksamkeit stört und das Kind davon abhält, sich geordnet und konzentriert zu verhalten
ADHS: Aufmerksamkeits-Defizit / Hyperaktivitätsstörung.
Eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens ist durch ein Zuviel an Bewegung gekennzeichnet; und es gelingt den Kindern nur schlecht, sich sozial angemessen zu verhalten. Sie dosieren ihre Impulse nur unzureichend und schaffen es kaum, sich in den schulischen Ablauf einzufügen und die dort geforderten Leistungen zu zeigen. Ebenso erleben die Eltern innerhalb der Familie, dass der erzieherische Einfluss nur schwer gelingt.
In beiden Fällen ist nur dann von einer behandlungsbedürftigen Störung zu sprechen, wenn das Grundschulkind sowohl in der Schule als auch im Familienzusammenhang ADS-, bzw. ADHS-Verhalten zeigt.
Wie kann mein Kind ADHS bekommen, was sind die Ursachen?
Definitive Ursachen sind nicht gesichert. Es gibt entsprechend keinen Test oder ein anderes Untersuchungsverfahren, dass eine ADS oder ADHS beweisen könnte. Die „Diagnose“ ist lediglich das Ergebnis einer Verhaltensbeobachtung.
Kein Kind wird mit ADHS geboren. Es gibt Hinweise darauf, dass Anpassungsstörungen, die im Säuglingsalter bestehen (sog. Regulationsstörungen) die spätere Entwicklung einer ADHS begünstigen. Ebenso können belastete Familienverhältnisse sich derart auf die Kinderentwicklung auswirken, dass sich ADHS entwickelt. Die neurobiologische Forschung nimmt an, dass bei ADHS-Kindern Besonderheiten im Gehirn bestehen. Ob diese Besonderheiten aber Ursache der ADHS sind oder sich im Lebensverlauf unter dem Einfluss der Lebenserfahrungen entwickeln, ist nicht geklärt.
Ist meistens ADHS dafür verantwortlich, wenn mit einem Kind etwas „nicht stimmt“ ?
Derzeit ist eine starke Tendenz zu beobachten, sehr schnell an ADHS zu denken, wenn es mit einem Kind Probleme gibt. Die fachärztliche Untersuchung muss klären, welche Veranlassungen es für die Probleme gibt und wie vorzugehen ist: u.a. geistige und seelische Verfassung des Kindes, Stärken, Schwächen, Lage der Familie, Einwirkungen der Schule. Erst danach ist es möglich, eine Diagnose zu stellen und Lösungen zu entwickeln. Letzteres ist unabhängig davon, ob man das Problem „ADHS“ nennt.
Was kostet es, bei Ihnen untersuchen zu lassen, ob mein Kind ADHS hat ?
1. Wir führen eine Privatpraxis. Die Kosten werden von den privaten Krankenversicherungen getragen.
2. In allen anderen Fällen ist mit ca. € 550.- (ca. 5 Sitzungen für Diagnose und Beratung) zu rechnen, die von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht getragen werden. Innerhalb dieser systemischen Sitzungen beginnt bereits die Lösungsentwicklung.
Kann man ADHS mit den derzeit verwendeten Medikamenten heilen ?
Nein, die Medikamente haben keine heilende Wirkung. Zur Heilung benötigt man Psychotherapie und Pädagogik.
Wird ADHS vererbt ?
Ob und in welcher Intensität, ist nicht einfach zu beantworten. Entscheidend ist, ob und in welcher Ausprägung diese Veranlagung zur Wirkung kommt. Und das hängt davon ab, wie die Entwicklung eines Kindes in seiner Umgebung (Familie) von seiner Geburt an verläuft.
Wie soll ich vorgehen, wenn mein Kind Arzneien wie z.B. Ritalin® nehmen soll, ich aber dagegen Bedenken habe ?
1.Mit dem verordnendem Arzt und eventuell den Lehrern darüber sprechen, dass Sie Alternativen suchen.
2. Wenn keine genaueren Untersuchungen des Kindes (Seelisches, Begabung, Schwächen) stattgefunden haben, diese veranlassen.
3. Die Möglichkeiten zur Mitwirkung von Elternhaus und Schule bei einer Therapie (üblich bei systemischer Arbeitsweise) nutzen.
Was ist mit Neuroplastizität gemeint ?
Das Gehirn bleibt nicht, was es ist. Es verändert lebenslang seine Organisation und Struktur unter dem Einfluss der Lebensbedingungen und des Lernens. Diese Eigenschaft des Gehirns können sich Erziehung und Therapie zunutze machen.
Können Erwachsene ADHS bekommen ?
Erwachsene, die große Sorgen haben und/oder sich mit verschiedenen seelischen Störungen auseinandersetzen müssen, sind manchmal unaufmerksam, unruhig, verstimmt oder sehr aufgebracht und/oder heftig und unkonzentriert bei der Arbeit. Es gibt Vereinbarungen behandelnder Ärzte und Therapeuten, die sagen: Wenn gesichert ist, dass sie als Kinder ein vergleichbares Verhalten zeigten, wird auf Basis bestimmter Kriterien von ADHS gesprochen.
Nötig sind psychotherapeutische Hilfestellungen, unabhängig davon, ob man das Problem ADHS nennt. In der Regel kommen Arzneien wie Ritalin® nicht in Betracht; da sie nur für Kinder zwischen sechs und achtzehn Jahren zugelassen sind. Es wären lediglich Ausnahmegenehmigungen möglich (sog. „off-label use“).
Behandeln Sie Erwachsene mit ADHS ?
Wenn ein Erwachsener klären möchte, ob er es mit ADHS zu tun hat, kann er sich an eine Praxis wie unsere wenden. Wir erarbeiten dann mit Blick auf die seelische Verfassung, ggf. auf Familie und Arbeitsumgebung, eine Lösungsmöglichkeit.